Die Geschichte hat es so gewollt, dass sich 2009 eine Reihe von „9er“-Jubiläen jähren. 1919 trat die erste demokratische Verfassung – nach ihrem Entstehungsort benannt – die Weimarer Verfassung in Kraft. Gerade einmal 30 Jahre später, im Jahre 1949, beschloss der Parlamentarische Rat auf den Trümmern Deutschlands und Europas das Bonner Grundgesetz. Und weitere 40 Jahre später fiel am 9. November 1989 die Mauer in Berlin. Drei Wegmarken in unserer Geschichte, die immer wieder das Licht der Freiheit in einem in Dunkelheit getauchten 20. Jahrhundert aufscheinen ließen.
Diese Ereignisse in unserer Geschichte sind nicht solitär – gleichsam vom Himmel gefallen – sondern aus einer längeren geschichtlichen, sozialen und politischen Entwicklung heraus Entwicklungshöhe aber auch Tiefpunkte. So sind die Verfassungen von 1919 und 1949 ohne die beiden verheerenden Weltkriege nicht denkbar. Und auch die Teilung unseres Landes als eine Folge des verbrecherischen Vernichtungskrieges mit dem unser Land Europa und die Welt überzog, war Voraussetzung für den Fall der Mauer. Wie auch das Scheitern des „sozialistischen Experimentes“ in Ost- und Mitteleuropa, der Erfolg der polnischen Gewerkschaftsbewegung und die ungarische Grenzöffnung dem Fall der Mauer in Berlin vorausgingen und diese erst möglich machten. So bilden sie gleichsam Endpunkte, wie aber auch Anfänge für neue, weitere Entwicklungen.
Um zu verstehen, ist historisches Bewusstsein, ist die Kraft zur Auseinandersetzung mit seiner eigenen Geschichte unbedingte Voraussetzung. Nur wer um seine Geschichte weiß, wer erkennt, woher er kommt, kann wirklich bewusst entscheiden, wohin er gehen will.
Die sozialdemokratische Fraktion in der Hamburgischen Bürgerschaft hat diese „9er“-Jubiläen zum Anlass genommen, im November 2009 einen Festakt im Kaisersaal des Hamburger Rathauses durchzuführen. Ein Ergebnis dieser Veranstaltung ist das nun vorliegende Buch.
Es ist gelungen mit den Autoren eine Reihe namhafter Akteure der deutschen Nachkriegspolitik für Beiträge zu gewinnen. Mein besonderer Dank gilt Bundeskanzler a.D. Helmut Schmidt und Dr. Hans-Jochen Vogel, die sich beide sofort bereit erklärten, Vorworte beizutragen. Aber auch Dr. Christel Oldenburg, Dr. Henning Voscherau und Prof. Dr. Richard Schröder sei für ihre Aufsätze gedankt. Ermöglichen sie es doch, mit den Augen der damals Handelnden, das Werden der Einheit unseres Landes plastisch nachzuempfinden.
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