Hamburg war nie Residenz eines Herzogs oder gar eines Königs. Deshalb gibt es in unserer Stadt auch keine Paläste. Insofern kann Hamburg nicht mit Berlin, Dresden oder München konkurrieren. Aber natürlich war es den Hamburgern nicht fremd, sich, ihren Stolz auch in repräsentativen Gebäuden darzustellen. So kam es zu den fünf schönen Hauptkirchen und auch zu unserem prächtigen Hamburger Rathaus. Man sieht es dem Prunk an, dass er nicht aus alten Zeiten stammt, wie die anderen Rathäuser aus Lübeck, Rostock oder Bremen. Unser Rathaus, das ehrwürdig erscheinen möchte, ist in Wahrheit nur etwas älter als ein Jahrhundert alt. Es wurde erst 1897 dem damaligen Senat übergeben.

Wenn wir Hamburger aus irgendeinem festlichen Anlass einmal ins Rathaus eingeladen werden, so folgen wir der Einladung mit Stolz. Und wir dürfen auch stolz sein; denn längst haben nicht nur Dach und Haus Patina angesetzt. Für uns Hamburger ist unser Rathaus längst Symbol unserer – für viele selbstverständlichen – Demokratie geworden. Denn jede Demokratie braucht auch Symbole der Macht der Bürger. Dafür steht unser Rathaus heute.

Und es soll niemanden einschüchtern, sondern sein großes Tor soll jedermann jeden Tag offen stehen. Wenn Sie sich selbst ein Bild von unserem Rathaus machen wollen, so können Sie an den offiziellen Führungen unserer Ratsdiener teilnehmen, oder auch über Ihren Wahlkreisabgeordneten eine Sonderführung machen.

Das Rathaus

michael-neumann-rathaus-hamburg.jpg Es gibt eine einfache Eselbrücke, um sich Höhe und Breite unseres Rathauses zu merken. Gleichwohl so richtig „tragfähig“ ist sie nur im Jahre 2007. Warum? Ganz einfach. Man denke an Polizei und Feuerwehr. So kommt man auf 110 (Polizei) Jahre, was das Jahr (1897) der Fertigstellung beschreibt, 112 (Feuerwehr) m Höhe des Rathausturmes. Und die fehlende 111 beschreibt die Breite des Rathauses in Metern.

Das Leben eines idealen Hamburgers

michael-neumann-treppenhaus-der-burgerschaft-hamburger-rathaus.jpg Im Treppenhaus der Bürgerschaft findet sich ein Fries, der das Leben eines „idealen“ Hamburgers darstellen soll. Dabei sind die Stationen Geburt – Schule – Ausbildung/Wanderschaft – Militärdienst – Heirat – Bürgereid – Familie/Kinder – Beruf – Alter – bildliche Wegmarken. Damit es da keine Missverständnisse gibt: Der „ideale“ Hamburger ist zum ersten ein Mann, zweitens mindestens 25 Jahre alt und drittens vermögend. Denn nur, wenn er 1200 Goldmark Steuern zahlt und ein Grundstück innerhalb der Stadtmauern besaß, konnte er den Bürgereid ableisten. michael-neumann-burgereid-hamburger-rathaus.jpg Erst mit diesem Eid war man Hamburg, besaß man das aktive und passive Wahlrecht. So versuchten die „Pfeffersäcke“ bis vor fast 100 Jahren, Sozialdemokraten aus der Bürgerschaft herauszuhalten. Erst 1901 gelang es Otto Stolten als erstem Sozialdemokraten, Mitglied der Hamburgischen Bürgerschaft zu werden.

Der Plenarsaal

In diesem Saal tagt die Hamburgische Bürgerschaft seit 1897. Seit 1919 auch endlich nach heutigen Maßstäben demokratisch gewählt. D.h. auch und vor allem ein allgemeines, gleiches und geheimes Wahlrecht für alle Hamburgerinnen und Hamburger. michael-neumann-plenarsaal-hamburger-rathaus.jpg In der Mitte der Präsident der Bürgerschaft, daneben die Vizepräsidenten. Auf der Bank links der Erste Bürgermeister und seine Senatoren, auf der Bank rechts die Vertreter der Bürgerschaftskanzlei. In der Bank vor dem Rednerpult die Protokollanten.
Die Fraktionen mit ihren jeweiligen Vorsitzenden verteilen sich von links nach rechts CDU (63 Abgeordnete), Sozialdemokraten (41 Abgeordnete) und GAL (17 Abgeordnete). Warum die CDU links sitzt? Ganz einfach, die Zuschreibung „Die Rechten“ oder „Die Linken“ ergibt sich aus der Sicht des Präsidenten. Da sitzt die CDU rechts und die Sozialdemokraten eher links. Seit der Existenz der GAL sitzen wir Sozialdemokraten aber eher in der linken Mitte. Wie auch bei den Inhalten…

Die Lobby

michael-neumann-lobby-hamburger-rathaus.jpg Die Lobby wird von einem achteckigen Tisch dominiert. Die Legende besagt, dass er aus dem Holz der Schwelle des vormaligen Magdalenen-Klosters geschreinert wurde. Dieses Kloster befand sich im Mittelalter an just der Stelle, an der heute das Hamburger Rathaus steht. Beim Erdaushub für die Fundamente des Rathauses 1890 sollen Arbeiter diese Holzschwelle gefunden haben. Hieraus erklärt sich auch der Spruch, der in die Tischplatte geschnitzt wurde: “Tief im Schlamme gebettet als Schwelle dient ich den Mauern, die der Alten Geschlecht einst sich errichtet zur Wehr. Wieder ans Licht gezogen nach langer Ruh in der Tiefe, diene zur Tafel gefügt heute friedlichem Zweck.“

Der Kaisersaal

michael-neumann-kaisersaal-hamburger-rathaus.jpg Kaisersaal? Warum denn das? Ganz einfach. 1895 wurde der heutige Nord-Ostsee-Kanal, damals noch Kaiser-Wilhelm-Kanal von seinem Enkel Kaiser Wilhelm II. eingeweiht. Die Feier hierfür sollte im Hamburger Rathaus stattfinden, das aber noch nicht fertig war. So wurde der Kaisersaal fertig gestellt, die übrigen Räume waren noch Baustellen, die „malerisch“ mit Tüchern drapiert, also versteckt wurden. michael-neumann-einweihung-nord-ostsee-kanal-hamburger-rathaus.jpg Eine Bronzetafel über einer Tür erinnert an das festliche Ereignis, ebenso wie die gesamte maritime Ausstattung des Saales.
Im Kaisersaal fand 1946 nach der ersten Bürgerschaftswahl die erste Fraktionssitzung der Sozialdemokraten statt. Einige er lieben Genossen wollten die Büsten von Kaiser, Reichskanzler und Generalfeldmarschall sogleich entfernen. michael-neumann-buste-kaiser-wilhelm-i-hamburger-rathaus.jpg Adolph Schönfelder stoppte die Bilderstürmer aber mit den historischen Worten: „Unseren Vätern war vor diesen Herren nicht bange als sie lebte; da werden wir vor den Toten doch nicht Schiss in der Büx haben.“ Die Büsten stehen bis heute dort…

Der Saal der Republiken

michael-neumann-turmsaal-hamburger-rathaus.jpg Oder auch Turmsaal genannt. Er liegt exakt in der Mitte des Hamburger Rathauses und verlängert den Rathausturm in das Gebäude hinein. Dominiert wird der Saal durch die acht Onyx-Säulen und die Gemälde der vier Stadtrepubliken Athen, Rom, Venedig und Amsterdam. Von diesem Saal aus kann man auch den Rathausbalkon betreten – beispielsweise für Meisterfeiern des HSV oder des FC St. Pauli. Dabei sei angemerkt, dass der HSV nur Meister wird, wenn wir Sozialdemokraten regieren. Ist in Bremen mit Werder genau dasselbe…

Der Phönixsaal

michael-neumann-hammonia-auf-trummern-hamburger-rathaus.jpg „Das Alte stürzt, es ändert sich die Zeit, und neues Leben blüht aus den Ruinen.“ – Dieser Saal erinnert an den Großen Brand im Jahre 1842, der Hamburg nahezu völlig zerstörte. Kaum 101 Jahre später wurde Hamburger erneut durch alliierte Bombenangriffe vernichtet. Das Bild der Schutzpatronin Hammonia macht aber gleichzeitig deutlich, dass sich Hamburg immer wieder aus der Asche und den Trümmern erhoben hat. michael-neumann-zerstorungen-brand-1842-hamburger-rathaus.jpg Ihr gegenüber findet sich ein Medaillon in das das ursprüngliche Hamburg als Intarsie eingearbeitet ist – der rote Lack markiert die 1842 abgebrannten Stadtteile.

Das Bürgermeisteramtszimmer

michael-neumann-burgermeisteramtszimmer-hamburger-rathaus.jpg Dieses Amtszimmer dient den Ersten Bürgermeistern für offizielle Gespräche mit Staatsgästen, hier werden die Beglaubigungen der Generalkonsuln und Konsuln übergeben oder auch Gespräche zwischen Bürgermeister und Fraktionsvorsitzende geführt. Außerdem wird hier das Goldene Buch Hamburgs aufbewahrt. michael-neumann-goldenes-buch-hamburger-rathaus.jpg Wobei unser Goldenes Buch kein Buch ist, sondern vielmehr eine lose Blattsammlung. Hat ja auch Vorteile, man weiß ja nicht, was Gäste unserer Stadt noch so alles nach ihrem Besuch tun. Oder nicht tun. Oder getan haben. Was aber erst später raus kommt. Also eine sehr praktische Lösung. Hanseatisch halt.

Die Ratsstube

In der Ratsstube kommt der Hamburger Senat unter der Leitung des Ersten Bürgermeisters jeden Dienstag zur Senatssitzung. In anderen Ländern oder im Bund ist es schlicht der Kabinettssitzungssaal. In Hamburg aber ist es die Ratsstube. michael-neumann-ratsstube-hamburger-rathaus.jpg Dabei hat dieser Raum sehr wenig von einer Stube. Vielmehr lässt die Gestaltung die Vermutung zu, dass man schon die eine oder andere monarchische Anleihe gemacht hat… Besonderheit des Raumes ist neben der Vertäfelung, dem prächtigen Wandteppich und dem „königlichen“ Baldachin das verglaste Dach. Dafür gibt es zwei Erklärungen: Bis 1901 – dem Jahr des Inkrafttretens des Bürgerlichen Gesetzbuches – übte der Hamburger Senat auch die höchste richterliche Gewalt aus. Da ein freier Bürger aber nur „unter freiem Himmel“ verurteilt werden durfte, entschloss man sich zu der Verglasung. Eine andere Erklärung könnte sein, dass „über dem Senat nur noch Gott gebe.“ In aller Bescheidenheit.

Der Große Festsaal

michael-neumann-groser-festsaal-hamburger-rathaus.jpg In diesem größten Saal unseres Rathauses – schlappe 46 m breit – prägen nicht nur die drei Kronleuchter mit einem Einzelgewicht von über 1,5 t, sondern vor allem die überlebensgroßen Wandgemälde. Sie sind 1903 bis 1909 vom Berliner Hugo Vogel gemalt worden, und zeigen idealistisch die Entwicklung Hamburgs vom unberührten Urstromland über die Besiedlung, die Christianisierung, die Hanse bis zur Industrialisierung des Hafen zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

11 Kommentare zu “Unser Rathaus”

  1. Elke Nitzsche sagt:

    Ein Hamburger kniet vor niemandem, nicht einmal vor Gott

    Dieser Spruch soll angeblich im Hamburger Rathaus stehen, stimmt es wirklich? Das beahuptet ein Freund von mir.
    Gibt es ein Foto davon?
    Es wäre lieb, wenn Sie es mir zusenden könnten.

    Ich wünsche Ihnen und ihrer Familie ein schönes Wochenden.

    Lieben Gruß aus Ammersbek
    Elke Nitzsche

  2. Welche Geschichte hatte ich damals berichtet? Eigentlich berichte ich immer so von dieser Begebenheit. Man kniet eben nicht vor der Kirche… Meinten zumindest die stolzen Hamburger damals. ;o)

  3. Julian Gumplinger sagt:

    Hallo Herr Neumann,

    im letzten Sommer habe ich eine Rathausführung mitgemacht die mir auch sehr gut gefallen hat.

    Besonders beeindruckt hat mich damals die Geschichte mit dem Taufenden Bischof allerdings hat uns der Herr der die Führung damals leitete erzählt der damalige Bürgermeister sei so entsetzt darüber gewesen das ein freier Hamburger vor einem anderen Menschen niederkniet das er Ihn übermalen lies da ein freier Hamburger nur vor Gott selbst niederkniet.

    Die Version mit dem Kostengründen gefällt mir aber auch sehr gut. =)

    Liebe Grüße Julian Gumplinger

  4. Moin,
    die Photos sind auf dem Wege zu Ihnen.
    Mit freundlichen Grüßen
    Ihr Michael Neumann

  5. Angela Isbaner Lise-Meitner-Gymnasium Norderstedt sagt:

    Lieber Herr Neumann,
    mit unserer 6a waren wir, mein Kollege Heiko V. und ich am 21.6. im Hamburger Rathaus und haben eine sehr schöne humorige Führung von Ihrer Seite her genossen. – Sie haben ein Foto von uns geschossen und meinten, wir könnten dieses per Mail von Ihnen bekommen. – Nun sind wir erst spät aus dem Knick gekommen, ich vermeide jegliche Entschuldigung, aber vielleicht ist es möglich, das Foto doch noch anhand des Datums zu identifizieren. – Im Übrigen finde ich es klasse, Sie als Mitglied der Bürgerschaft kennen gelernt zu haben. Toll, dass Sie solche Führungen durchführen.

    Es grüßt Sie
    Angela Isbaner

  6. Sehr geehrte Familie Michael,
    meines Wissens ist der Erste Bürgermeister der britischen Königin auf der Treppe entgegen gekommen. Was in der damaligen Presse als Skandal dargestellt worden ist. Es soll Bürgermeister Nevermann gewesen sein. Daneben soll einer der zahlreichen afrikanischen Potentaten nicht begrüsst worden sein, da dieser infolge seiner Leibesfülle nicht die Treppe hinaus gekommen sein soll. Ob diese Geschichte stimmt, weiß ich jedoch nicht.
    In der Hoffnung, Ihnen vielleicht geholfen zu haben, verbleibe ich
    mit sonnigen Grüssen
    Ihr Michael Neumann.

  7. Brigitte und Wolfgang Michael sagt:

    Guten Tag, Herr Neumann,
    der 1. Bürgermeister geht seinen Gästen auf der Senatstreppe nicht entgegen sondern empfängt sie oben. Es gab 3 Ausnahmen: Königin Elisabeth, die hollänidsche und die schwedische Königin. Stimmt das? Wenn ja, wer waren die Bürgermeister?
    Vielen Dank
    Brigitte Michael

  8. Refardt, Henning sagt:

    Guten Tag Herr Neumann – ist es Ihnen moeglich, mir die Namen der Senatoren und deren Zuordnung auf dem Gemaelde von Hugo Vogel zu nennen? Herzlichen Dank fuer Ihre Muehe – Ihr Henning Refardt

  9. Moin,
    klar. Ich sende Ihnen unser Regierungsprogramm in Lang- und Kurzfassung. Sowie Infos zur Bildungs-und Kitapolitik.
    Tüss. Ihr Michael Neumann.

  10. Nadine sagt:

    Hab mal eine Frage: Könnten Sie mir für die Schule was per Mail schicken über die Entwicklung Hamburgs und über die Kinderbetreuung in Hamburg dieses aber von der SPD sein muss.
    Würde Ihnen dafür sehr dankbar sein.
    Mit freundlichen Grüßen
    Nadine Graff

  11. Rosa Meyer-Eberhardt sagt:

    Super! Ganz große Klasse! Kann ich mich auf diesem Wege auch zu einer Führung anmelden?
    Ihre Rosa Meyer-Eberhardt

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