50 Jahre Innenbehörde

20120429-164241.jpg Am 1. Mai 1962 wurde die neue Innenbehörde in Hamburg begründet. Die Initiative dazu ging vom damaligen Polizei-, späteren Innensenator Helmut Schmidt aus. Entgegen manch anders lautender Thesen war die Entscheidung zur Gründung der Innenbehörde bereits vor der Sturmflutkatastrophe vom Februar 1962 gefallen.

Anlässlich des 50. Gründungstages hatte ich Helmut Schmidt, Alfons Pawelczik, Volker und Rolf Lange, Hartmut Wrocklage, Olaf Scholz, Udo Nagel, Christoph Ahlhaus und Heino Vahldiek zu einem Abendessen in den Turmsaal des Hamburger Rathauses eingeladen. Heinz Ruhnau und Uli Klose hatten ihre Teilnahme leider abgesagt. Ein netter Abend, der noch einmal manch Einblick in die Hamburger (Innen-)Politik gewährte.


Schmidt & Barlach

“Singender Mann” – so war der Name eine Figur des Bildhauers, Malers, Grafikers, und Schriftstellers Ernst Barlach (1870 – 1938), die Helmut Schmidt vor seinem Büro im Bonner Kanzleramt aufgestellt hatte. Der Bundeskanzler hat den Expressionisten geschätzt und verehrt – den Künstler, den die Nationalsozialisten zum “entarteten Künstler” gemacht hatten und der, weltweit anerkannt, zu den bedeutendsten Bildhauern des Expressionismus zählt. Nach außen sichtbares Zeichen dieser Verehrung war die Barlach-Figur vor Schmidts Büro in Bonn.

Angesichts dieser geistigen Nähe und Verehrung entbehrt es nicht einer gewissen Tragik, dass Helmut Schmidt in seiner Zeit als Bundeskanzler dem von ihm verehrten Künstler auch ein zutiefst bedrückendes Erlebnis zu verdanken hatte: Schmidts Besuch in Güstrow am 12. Dezember 1981. Der Kanzler hatte ausdrücklich den Wunsch geäußert, die Barlach-Stadt zu besuchen – ein Herzensanliegen. Schmidt wollte im Dom Barlachs “Schwebende” sehen.

Selbst diesen Wunsch empfanden die SED-Machthaber als Bedrohung. Sie fürchteten den Besuch des Staatsmannes aus dem Westen – und die Unberechenbarkeiten, die mit solchen Besuchen einhergingen. Es war schließlich erst zehn Jahre her, dass die Menschen in Erfurt Schmidts Amtsvorgänger Willy Brandt einen begeisterten Empfang bereitet hatten. Und so erlebte Helmut Schmidt bei der Fahrt durch die Barlachstadt Güstrow – und in Begleitung ausgerechnet von Erich Honecker! – eine verschneite, scheintote Stadt, hermetisch abgeriegelt hinter Polizeikordons. Es ist – neben den Fotos auf den Bahnsteigen der Weltgeschichte – eines der vielen Bilder der deutsch-deutschen Geschichte, die sich in die Erinnerung eingebrannt haben: Verschneite Straßen, Vopos mit Pelzmütze und dahinter die Claqueure des Regimes. Was blieb, nannte der Fernsehjournalist Friedrich Nowottny “organisierte Aussperrung der Normalität”. Das Code-Wort für diese Aussperrung von Stasi und Volkspolizei: “Operation Dialog”.

Es sollte nichts nützen. In der damaligen DDR bildeten sich zehn Jahre nach dem Besuch Helmut Schmidts in Güstrow und 20 Jahre nach dem Jubel um Willy Brandt in Erfurt Friedensarbeitskreise, die sich mit den Menschenrechten in der DDR auseinandersetzen, später mit der neuen Politik der Sowjetunion unter Gorbatschow. Es ging um Meinungsfreiheit, den Schutz der Umwelt und die Bewahrung der Schöpfung – und schließlich um Wehrdienstverweigerung oder der Ausreisepolitik. Und auch in diesem Kapitel deutsch-deutscher Geschichte fand sich das Werk Ernst Barlachs – sein Ehrenmal im Dom wurde in dieser angespannten Zeit zu einem Ort friedlicher Sammlung und zu einem Symbol für eine Erneuerung, die der Gewalt abgeschworen hatte. Unzählige Kerzen brannten seid 1983 vor dem Gefallenenmal Barlachs – ein Monument der Mahnung und der Trauer wurde zu einem Mut- und Kraft spendenden Initial, zu einem Symbol für Hoffnung und Zuversicht.

Noch eine weitere Skulptur Barlachs ist eng mit der Friedens- und Oppositionsbewegung in der DDR und damit auch mit dem politischen Wirken von Helmut Schmidt verbunden: Barlachs Großplastik “Der Geistkämpfer”, die fünf Jahre vor der Machtergreifung der Nationalsozialisten an der Universitätskirche in Kiel aufgestellt und die 1937 von dort wieder entfernt wurde. Die Universitätskirche wurde im Kriege zerstört. “Der Geistkämpfer” aber überstand die Zerstörungen von Krieg und NS-Diktatur und ist heute an der Nikolaikirche in Kiel angebracht.

Eine Kopie dieser Skulptur ist seit 1994 an der Gethsemanekirche im Ostberliner Stadtteil Prenzlauer Berg aufgestellt – an einem wichtigen Sammelpunkt der Friedens- und Oppositionsbewegung der DDR. “Aufgestellt am 9.November 1994 als Ehrung und zur Erinnerung an die Ursprünge der Demokratiebewegung in der ehemaligen DDR durch das Land Berlin”, heißt es auf einer Gedenktafel.

Kein Zweifel: Der Abguss des “Geistkämpfers” würdigt die mutigen Menschen in der DDR. Er ehrt aber auch Ernst Barlach, der diesen Menschen und der Demokratiebewegung der DDR so wichtig war. So erstreckt sich eine unsichtbare Verbindung zwischen dem Künstler, dem Staatsmann und den Menschen, die in der DDR für Freiheit und Demokratie aufgestanden sind.

Nachtrag: Einstimmig beschloss die Stadtvertretung Güstrows am 8. April 2010, Ernst Barlach postum die Ehrenbürgerschaft zu verleihen.


“Wir dürfen nicht zu Wendehälsen werden.”

Der SPD-Fraktionsvize Gernot Erler warnt vor einem überzogenen Kurswechsel in der Opposition. In einem Gespräch mit der Wochenzeitung “Das Parlament” bezeichnete es der bisherige Staatsminister im Auswärtigen Amt als “wichtige Aufgabe für die SPD”, ihr Profil wieder zu schärfen. Dies dürfe aber “nicht bedeuten, dass wir zu Wendehälsen werden, die sich plötzlich um 180 Grad drehen”. Hier das Interview:

“Herr Erler, Sie waren bei der Bundestagswahl der einzige Gewinner eines Direktmandats der SPD in Baden-Württemberg. Ist es da nicht besonders bitter, wenn Sie sich nun in der Opposition wiederfinden?

So richtig Freude konnte über diesen Erfolg nicht aufkommen, weil jetzt so viele vertraute Gesichter fehlen. Es scheiden viele Kolleginnen und Kollegen aus, sodass ich mich eher einsam fühle. Es bleibt mir aber nichts anderes übrig, als diese neue Rolle, die ich von früher schon kenne, anzunehmen. Weiterlesen →


Zum 90. Geburtstag von Helmut Schmidt

Ich erinnere mich an ein Foto aus dem Frühjahr 1962. Helmut Schmidt im Katastrophendienststab seiner Innenbehörde. Ein junger Mann, ein schwerer Holztisch, Mitarbeiter um ihn herum. Wie er da am Tisch sitzt, mit ernstem aber entschlossenem Gesicht, strahlt er eine Souveränität aus, die viele nach ihm nicht ansatzweise erreichen sollten.

Hamburg verbindet mit Helmut Schmidt in erster Linie seinen Einsatz bei der Flutkatastrophe. An rund sechzig Stellen hatten die Deiche den Wassermassen nicht Stand halten können. Binnen kürzester Zeit war fast ein Fünftel des Hamburger Stadtgebietes überflutet. Helmut Schmidt, der Polizeisenator, sorgte innerhalb von Stunden für Hilfe aus dem In- und Ausland – und rettete so wohlmöglich Tausenden das Leben. In diesem Moment höchster Bedrohung kümmerte er sich nicht um Kompetenzen und Vorschriften. Er wusste um seine Verantwortung und um seine Möglichkeiten. Das reichte ihm. Weiterlesen →


Besuch der Helmut-Schmidt-Universität

Gerade komme ich von einem Besuch der Helmut-Schmidt-Universität – der Universität der Bundeswehr Hamburg – zurück. Heute habe ich die Bibliothek besucht, die – insbesondere im Vergleich – einen ganz hervorragenden Eindruck macht. Da können wir in Hamburg wirklich froh sein, dass wir eine solche Universität mit einer solch hervorragenden Bibliothek haben. 800.000 Bände sind ständig präsent. Um die Mittagszeit wagte ich noch einen Besuch der Mensa, und auch dort wurde ich nicht enttäuscht. Die Erbsnesuppe schmeckte super!