Die derzeitige Situation in der zentralen Erstaufnahmeeinrichtung in der Sportallee ist Besorgnis erregend und nicht hinnehmbar. Die Zustände in der Unterbringung sind teilweise menschenunwürdig.
Der Senat ist über die angespannte Situation informiert, handelt aber nicht. Der Senat hat die Belegung der Einrichtung in Horst in den letzten Wochen verfielfacht. Gleichzeitig platzt die Unterbringung in der Sportallee aus allen Nähten. Diese Menschen brauchen zusätzliche Plätze – und zwar schnell.
Regulär verfügt die Unterkunft über 40 Plätze. Die Kapazität ist seit dem ersten August auf 70 Plätze erweitert und damit fast verdoppelt worden. Seit Sommer vergangenen Jahres ist die Einrichtung zumindest stark belegt, seit Mai 2010 überbelegt. Die Situation hat sich seit Juli dieses Jahres weiter verschärft. Im Juli waren 106 Menschen in der Sportallee untergebracht – das entspricht einer Überbelegung um 150 Prozent. Letzten Angaben zufolge leben derzeit 103 Menschen in der Einrichtung.
Die Überbelegung hat massive Auswirkungen auf die Wohn- und Lebenssituation der Menschen. Rechnerisch hat jeder in der Zentralen Erstaufnahmeinrichtung untergebrachte Mensch derzeit vier Quadratmeter zur Verfügung. Zehn Menschen teilen sich eine Dusche, sechs eine Toilette. Damit wird das ohnehin bescheidene Angebot an sanitären Anlagen weiter verschärft. Der eigentliche Skandal ist, dass die Aufnahmestelle seit fast einem halben Jahr deutlich überbelegt ist, ohne dass es Perspektiven auf eine Entspannung der Lage gibt und dass Senat und Behörde nicht eingreifen.
Das ist nicht akzeptabel – zumal der Senat über die Situation informiert ist. Auf die Frage “Bewertet der Senat beziehungsweise die zuständige Behörde die Platzkapazitäten der Zentralen Erstaufnahmeeinrichtung in der Sportallee als ausreichend?” antwortet der Senat: “Die zuständige Behörde bewertet zzt. die Platzkapazitäten aufgrund der aktuellen Belastungssituation als nicht ausreichend.”
Wir haben den Senat schon in den letzten Haushaltsberatungen darauf hingewiesen, dass er für den Fall steigender Flüchtlingszahlen keine Vorsorge betrieben hat. Genau dieser Fall ist jetzt eingetreten. Und angesichts dieser Situation agiert der Senat hilf- und planlos – auf dem Rücken der Betroffenen.
Es ist mehr als eine moralische Pflicht, diese Menschen menschenwürdig unterzubringen. Der Senat hat die Entwicklung kommen sehen, er war gewarnt. Vor diesem Hintergrund ist er in besonderem Maße in der Pflicht, zu handeln.