“Die schlagartig eingetretene politische Bedeutungslosigkeit ist mit Händen zu greifen. Auf der Landesmitgliederversammlung drei Tage nach der Bürgerschaftswahl vom 20. Februar 2011 bestehen die Fernsehteams hauptsächlich aus Praktikanten. Kein bekannter Moderator lässt sich blicken. Der Saal ist mäßig besetzt. Viele Mitglieder wollen sich diesen Abend ofenbar nicht antun. Während der Aussprache ist es im Saal oft laut, weil sich die Anwesenden lieber miteinander unterhalten als den Redenden zuzuhören. ??
Die Spitzenkandidatin und die Parteivorsitzende eröffnen die Wahlauswertung. Anja Hajduk und Katharina Fegebank widmen sich im Grunde demselben Thema. In auffällig kurzen Reden konzentrieren sie sich auf die wahltaktische Konstellation. Sie sprechen viel über Umfragen, und ihre Rhetorik bleibt vordergründig. „Ich möchte dazu beitragen, dass die GAL sich ganz stark aufstellt“, sagt die eine. „Wir müssen die wichtigen Themen erkennen“, sagt die andere. Sie danken den Wahlkämpfern. Sie trösten die leer ausgegangenen Kandidaten. Sie fordern auf zu einer kritischen Debatte, für die sie jedoch selber den Aufschlag verweigern. ??Im Saal breitet sich Frustration aus. Soll das alles sein, was die Parteiführung zu bieten hat? Offenbar ja.
Die nun beginnende Debatte zeigt eine große Unzufriedenheit. In demselben Saal, wo der Vorstand noch vor wenigen Wochen eine Spitzenkandidatin-nenaufstellungs-Show veranstaltet hat, mit den Mitgliedern als Kulisse, bekommen nun die schärfsten Kritiker den größten Applaus. Und dann kommt die Debatte in Fahrt. ??Kritisiert werden das Festhalten am Uni-Umzug, die sozialpolitische Hartleibigkeit gegenüber den Kita-Eltern, die penetrante Schulfixiertheit beim Bildungsthema. Weiterlesen →