Am Donnerstagabend wurde der Wasserschutzpolizei gemeldet, dass sich auf der HADAG-Fähre „Elbmeile“ mehrere Personen unberechtigt im Führerhaus eingeschlossen und die Fähre unter ihre Kontrolle gebracht hätten. Die „Elbmeile“ solle manövrierunfähig auf der Elbe in Höhe des Anlegers Finkenwerders treiben.
Die Wasserschutzpolizei entsandte die Funkstreifenboote WS 2 Bürgermeister Weichmann, die WS 37, die WS 22 und WS 23 zur angegebenen Position. Landseitig wurden 23 Funkstreifenwagen eingesetzt. Zudem kam der Polizeihubschrauber Libelle 2 zum Einsatz.
Unterdessen teilten Fahrgäste auf der „Elbmeile“ der Wasserschutzpolizei per Handy mit, dass die Aktivisten den Schiffsführer nötigten, vom normalen Kurs abzuweichen. Es solle sich vermutlich um eine kurdische Protestaktion handeln, da auch über Lautsprecher Propagandaparolen für die Freilassung Öcalans sowie weiterer in türkischen Gefängnissen inhaftierter Kurden verbreitet wurden. An der Brücke der „Elbmeile“ war ein Bild von Abdullah Öcalan angebracht und ein Transparent mit dem Schriftzug „Der Hungerstreik in Straßb[o]urg ist an der Grenze des Todes“ ausgerollt.
Um eine Gefährdung der durchgehenden Schifffahrt auszuschließen, veranlassten die Wasserschutzpolizisten über die Nautische Zentrale eine Sperrung der Elbe zwischen Köhlbrand und Mühlenberger Loch.
Zwischenzeitlich gingen weitere Notrufe von Fahrgästen auf der „Elbmeile“ bei der Polizei ein.
Inzwischen hatten die Funkstreifenboote WS 2 Bürgermeister Weichmann und die WS 37 die Position der Fähre auf der Unterelbe in Höhe Tonne 130 erreicht.
Als die Fähre mit der Tonne zu kollidieren drohte, entstand eine Gefahrenlage für die Sicherheit der Fahrgäste, des Schiffsführers sowie der Sicherheit und Leichtigkeit des Schiffsverkehrs. Die Beamten entschlossen sich, die Fähre „Elbmeile“ zu borden.
Die Bürgermeister Weichmann ging an der Backbordseite der Fähre längsseits, die WS 37 an der Steuerbordseite längsseits.
Die Wasserschutzpolizisten bordeten die „Elbmeile“.
Die Beamten drangen in das Führerhaus ein, in dem sich acht Personen, darunter vier Frauen, und der Schiffsführer aufhielten. Die acht Aktivisten ließen sich widerstandslos festnehmen. Bei der Durchsuchung der Personen wurden keine Waffen aufgefunden. Eine weitere Person, die sich unter den Fahrgästen aufhielt und die Aktion vermutlich filmen sollte, wurde ebenfalls vorläufig festgenommen.
Das Bild und das Transparent stellten die Beamten als Beweismittel sicher.
Der Schiffsführer (42) übernahm wieder die Führung der Fähre.
An Bord der „Elbmeile“ befanden sich insgesamt 79 Fahrgäste. Alle 79 Fährgäste stiegen auf die WS 2 Bürgermeister Weichmann über und wurden sicher zum Fähranleger Finkenwerder gebracht.
Es wurden keine Personen verletzt.
Da nach derzeitigem Ermittlungsstand von einer politisch motivierten Tat ausgegangen werden muss, übernahm die Staatsschutzabteilung im Landeskriminalamt die weiteren Ermittlungen.
Bei den Beschuldigten handelt es sich um sechs türkische Staatsangehörige im Alter von 16 bis 26 Jahren sowie drei deutsche Staatsangehörige mit türkischer Abstammung im Alter von 19 bis 24 Jahren.
Gegen die Beschuldigten wird zur Zeit wegen des Verdachts der Nötigung sowie des Verdachts der Freiheitsberaubung ermittelt.
Kriminalbeamte boten den Beschuldigten rechtliches Gehör an. Es wurden keine Angaben gemacht.
Acht Beschuldigte wurden nach der erkennungsdienstlichen Behandlung entlassen, da keine Haftgründe vorlagen. Bei einem 27-jährigen deutschen Staatsangehörigen mit türkischer Abstammung dauern die kriminalpolizeilichen Maßnahmen an.
Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Hamburg und des Landeskriminalamtes werden fortgeführt.

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