Nach gut einem Sechstel der Bundesliga-Saison hat Borussia Dortmund bereits ein Viertel der notwendigen Punkte für den abermaligen Einzug ins internationale Geschäft beisammen. Das 3:1 (1:1) beim FC St. Pauli – Sieg Nummer fünf im sechsten Liga-Vergleich – ließ die Fans am Samstag sogar von der Meisterschaft träumen. Wenige Minuten nach dem Schlusspfiff sprach Sascha Fligge mit BVB-Trainer Jürgen Klopp.
Herr Klopp, wie viele Tore muss man als Stürmer schießen, um sich eine glatte Eins zu verdienen?
Jürgen Klopp: Die Art und Weise wie Lucas inzwischen Fußball spielt, ist richtig, richtig gut. Da ist ein riesiger Entwicklungssprung zu sehen. Wie er für uns die Bälle behauptet, wie er seinen Körper reinstellt, das ist schon unglaublich. So muss Stürmerspiel aussehen. Und er hat wieder drei Tore vorbereitet.
Trotzdem stand das Spiel nach dem ersten Treffer auf der Kippe. Warum?
Klopp: Bis kurz vor dem 1:1 war es ein traumhaftes Auswärtsspiel. Aber wenn du deine Chancen nicht nutzt, und wir haben einige hochkarätige vergeben, dann ist so ein 1:0 eben ein zartes Pflänzchen. Pauli ist mal eben mit der Walze drüber gefahren. Nach dem 1:1 war alles komplett offen.
War die Parade von Roman Weidenfeller gegen Marius Ebbers 100 Sekunden vor dem BVB-Tor zum 2:1 die Schlüsselszene der Partie?
Klopp: Roman war – glaube ich – ganz glücklich, dass er wieder so einen halten und sich beweisen durfte. Er strahlt zurzeit eine unglaubliche Sicherheit aus, hält den Luftraum sauber, faustet viel weg. Das 2:1 war für mich eher die Schlüsselszene. Ich fand die Kritik von Holger Stanislawski an der Defensivarbeit seiner Akteure auch insofern ungerecht, als meine Jungs Chancen und Tore sensationell herausgespielt haben. Wenn Mario Götze und Shinji Kagawa mit Ball am Fuß unterwegs sind, ist das eben nicht angenehm zu verteidigen.
Stanislawski hat den BVB für seine Philosophie gelobt, die auch im Fall von Rückschlägen durchgehalten werde. Er betonte, in Dortmund entstehe und wachse etwas – sind Sie stolz auf das, was Sie persönlich angeschoben haben?
Klopp: Ich habe das ja schon häufiger gehört, benötige aber keine öffentliche Wertschätzung dafür, dass hier etwas gelingt. Ich bin nicht stolz auf mich, sondern in vielen Momenten auf meine Spieler. Froh bin ich, dass man das, was wir in der Vorbereitung erarbeitet haben, auch erkennen kann.
Einige Spieler – unter anderem Shinji Kagawa – wirkten in der zweiten Hälfte verständlicherweise entkräftet. Muss man sich vor dem Europa League-Spiel am Donnerstag gegen den FC Sevilla Sorgen um die Physis Ihrer Elf machen?
Klopp: Nein! Wir haben bis zum nächsten Spiel die längste Pause seit Wochen. Es muss sich niemand Gedanken machen, dass wir das nicht hinbekommen. Wir werden in den kommenden Tagen vorwiegend regenerieren und taktisch arbeiten. Hartes Training ist aufgrund des Riesenpensums (zuletzt fünf Spiele in 15 Tagen) einfach nicht möglich. Wir Trainer ziehen uns jetzt den FC Sevilla rein. Sollte es eine Chance geben, die Spanier zu schlagen, werden wir es den Jungs mitteilen.
Sie haben mit BVB-Sportdirektor Michael Zorc um 50 Euro gewettet, dass Mainz die Bayern schlägt. Dass der Einsatz gemessen an ihrem Gehalt so niedrig ist, legt ja den Schluss nahe, dass Ihr Glaube an den Mainzer Sieg nicht sonderlich ausgeprägt war…
Klopp: Nein, das legt nur den Schluss nahe, dass ich schlau genug bin, einen Betrag zu setzen, den der Zorc dann auch zahlt. Wenn es 100 Euro gewesen wären, hätte Michael doch das Land verlassen! Das ist ein großartiger Kerl, aber so mit Schulden zahlen…er hat in seinem Leben offenbar einfach zu selten Schulden gehabt.

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