Die vor einem Jahr mit unsicherem Ausgang gestartete Besetzung des Gängeviertels ist eine Erfolgsgeschichte sowohl für die Künstlerinitiative als auch für die Stadt Hamburg” geworden. Es bleibt zu hoffen, dass der Senat die Lehren aus den Fehlern zieht, die er im Gängeviertel gemacht hat. Der Verkauf de Operettenhauses lässt aber daran zweifeln.
Vom Gängeviertel als entscheidender Motor der Bewegung ,Recht auf Stadt´ ging vor einem Jahr eine die Diskussion darüber aus, wem die aktuelle Stadtentwicklung dienen soll. Das Grundstück war zuvor mehrfach zu Höchstpreisen an private Investoren verkauft worden. Alle Entwicklungspläne scheiterten jedoch, und das historische Gebäudeensemble verfiel über Jahre immer weiter.
Das Gängeviertel hat gezeigt: Städtische Grundstücke sind nicht in erster Linie mobilisierbare Vermögenswerte sondern ein Stück Stadt, das uns allen gehört. Dem Gemeinwohl dient nicht der höchstmögliche Verkaufspreis sondern die bestmögliche Nutzung. Das Gängeviertel hat auch neues Bewusstsein dafür geschaffen, wie wichtig Freiräume für Kultur und Kreativität für eine gute Stadtentwicklung sind.
Das Gängeviertel steht auch dafür, dass eine Initiative mit klaren Zielvorstellungen, mit Kreativität und Professionalität viel erreichen kann. Nicht zuletzt die mobilisierte öffentliche Unterstützung hat den Senat letztlich gezwungen, seine Fehler im Gängeviertel zu korrigieren und eine Sanierung in städtischer Verantwortung einzuleiten. Der gemeinsame Weg mit der Initiative ist richtig, und die Sanierungskosten sind gut angelegtes Geld. Hier wird ein wertvolles Stück Hamburg erhalten und neu belebt.
Ob der Senat die Lehren aus dem Gängeviertel gezogen hat, darf aber bezweifelt werden. Aktuell belegt der gedankenlose Verkauf des Operettenhauses – einem Schlüsselgrundstück in spekulationsträchtiger Umgebung auf St. Pauli – dass der kurzfristige Veräußerungsprofit offenbar immer noch maßgebliches Ziel des Senats ist. Wir brauchen in Hamburg aber – nicht nur im Gängeviertel – neue Regeln für die Nutzung und den Verkauf städtischer Grundstücke und Immobilien. Jenseits des Gängeviertels haben künstlerische oder andere nicht kommerzielle Nutzer auch bei städtischen Immobilien in der Regel immer noch das Nachsehen – allen anderslautenden Ankündigungen des Senats zum Trotz.

Keine Kommentare bisher