Die Szene der Burschenschaften, Verbindungen etc. ist bunt, sie reicht aber auch leider weit nach rechts. Mir persönlich sind schlagende Verbindungen eher suspekt, auch deren Verhaltensweisen und Riten sind mir fremd. Das gilt für eine bestimmte Art des „Ehrbegriffes“ oder Formulierungen wie die „ewigen Ideale Deutschlands“. Aber auch der Alkoholkonsum, das Frauenbild oder das Absingen seltsamer Lieder. Auch Fackelmärsche und das Absingen der ersten beiden Strophen des Deutschlandliedes sind nicht mein Ding.
All diese Dinge werden natürlich nicht in allen Burschenschaften etc. gepflegt, prägen aber leider in der Öffentlichkeit das Bild mancher dieser Vereinigungen. Auch bei mir.
Dabei bin ich mir durchaus der emanzipatorischen Leistungen der Studenten im Widerstand gegen Napoleon oder im Streit für die Bildung eines deutschen Nationalstaates bewusst. Doch leider war schon in der Kanzlerschaft Bismarcks ein Abdriften ins „Nationale“ in Teilen festzustellen. Auch ist die Rolle während der Weimarer Republik nicht unbedingt Ausweis für republikanisch-demokratische Gesinnung gewesen. Über den Nationalsozialismus will ich gar nicht weiter schreiben. Aber auch da kann und darf man nicht alle über einen Kamm scheren. Doch ist in der Öffentlichkeit ein nicht nur positives Bild der verschiedenen Organisationen entstanden.
Dies mag man als blöd, unangemessen, ahistorisch, gar beleidigend empfinden, es war und ist jedoch nicht meine Absicht, Mitglieder von Verbindungen persönlich zu beleidigen. Nicht nur, weil ich solche kaum kenne, noch weil ich bösartig Ihr Engagement „verteufeln“ möchte oder kann.
Wenn all diese Vorurteile falsch sind, dann wäre es doch an Herrn Ahlhaus zu klären, weshalb mit Bekanntwerden seines Engagements sofort seinen Austritt erklärt hat. Entweder ist das alles harmlos, dann muss er auch nicht austreten, sondern kann zu seinen Überzeugungen stehen, oder eben nicht. Das muss er aber klären. Das kann ich ihm nicht abnehmen.
Was den Verfassungsschutz angeht, so weiß ich aus den Berichten unseres Hamburger Landesamtes für Verfassungsschutz, dass solche Organisationen Gegenstand der Beobachtung waren oder sind. Natürlich nicht alle und jede Verbindung. Dafür gibt es weder Anlass, noch haben die Sicherheitsorgane dafür ausreichend Personal.
Vielleicht entspannt all dies die Diskussion.
1. August 2010 um 09:23
Sehr geehrter Herr Neumann,
ich habe mich sehr über Ihre Äußerung über uns Corporierte im NDR geärgert. Deshalb bin ich froh, dass Sie zumindest auf diesem Wege für Klarheit sorgen. Ich teile zwar nicht Ihre Meinung über uns, kann mit solchen Formulierungen aber leben. Vielleicht kommen Sie bei weiterem Nachdenken ja doch noch zu einem positiveren Bild über uns.
Ihr Hansjochen Gering
2. August 2010 um 11:07
Sehr geehrter Herr Gering,
vielen Dank für Ihre Mail. Sie glauben ja gar nicht, was für Mails und Briefe ich in diesen Tagen so erhalte. Da tut Ihre Mail richtig gut. Danke dafür! Wie gesagt, mir geht es nicht darum, alle über einen Kamm zu scheren, aber mein Bild über Burschenschaften, Turnerschaften, etc. ist nicht gerade das Beste. Vielleicht habe ich auch nur immer die falschen kennengelernt.
Ihnen einen guten Tag.
Ihr Michael Neumann.
3. August 2010 um 11:40
Lieber Herr Neumann,
da bin ich aber froh, dass Sie Ihre Äußerungen hier noch einmal klar stellen. Mir ist zwar auch bewußt, dass Sie in einem 10 oder 15 Sekunden Interview nicht die differenzierte Geschichte der deutschen und österreichischen Verbindungen darstellen können, aber es kam schon etwas schräg rüber. Zumindest für mich. Und wie ich in unseren Foren so lesen, auch bei anderen. Umso mehr freut es mich, dass Sie hier klar Stellung beziehen. Auch wenn wir Sie bisher von der Idee der Verbindungen noch nicht so recht überzeugen konnten. Vielleicht haben sie ja auch nur noch nicht die richtige gefunden.
Mit freundlichen Grüßen
G. Becker
9. August 2010 um 17:44
Sehr geehrter Herr Becker,
haben Sie Dank für Ihre Mail. Sie haben recht. Was die Kürze des Interviews angeht, wie vielleicht auch mit dem nicht richtigen Finden einer Verbindung für mich. Allerdings im Alter von nun 40 Jahren ist diese ungestüme Zeit für mich ohnehin vorbei – auch wenn ich heute wiederum an einer Universität arbeiten darf.
Sonnigen Restsommer
Ihr Michael Neumann.
13. August 2010 um 11:47
Sehr geehrter Herr Neumann,
Sie sind nun wieder an einer Universität? Wenn ich fragen darf, an welcher? Ich würde Ihnen dann gern die eine oder andere vernünftige Verbindung empfehlen, damit Sie Ihre Meinung dann doch noch ändern können.
Mit freundlichen Grüssen
Gerald Becker
13. August 2010 um 18:35
Sehr geehrter Herr Becker,
ich bin wieder an die Helmut-Schmidt-Universität zurückgekehrt. Vielen Dank für Ihr freundliches Angebot, doch glaube ich wirklich, dass ich aus diesem Alter raus bin. Gern komme ich einmal einer Einladung in Ihre Verbindung nach, dann kann ich mir ja auch ein Bild machen.
Trotzdem: Vielen Dank für Ihre Mail!
Ihr Michael Neumann.