Kein Tag vergeht mehr ohne Berichterstattung über die Mitgliederschaft oder Gastmitgliedschaft von CDU Innensenator Ahlhaus in einer schlagenden Burschenschaft. Der grüne Koalitionspartner fordert öffentlich eine Klarstellung durch den Möchte-Gern-Bürgermeister. Doch Herr Ahlhaus schweigt.
Herr Ahlhaus, sorgen Sie endlich für Klarheit. Distanzieren Sie sich von der Burschenschaft, machen Sie reinen Tisch und belasten Sie das Amt des Ersten Bürgermeisters nicht weiter mit dieser Affäre. Es mag in Heidelberg zum guten Ton gehören, Burschenschaften zu besuchen, gar deren Mitglied zu sein. In Hamburg ist das nicht so. Ein Erster Bürgermeister, aber auch ein Hamburger Innensenator darf sich nicht in der Nähe solcher Gruppen bewegen.
Die GAL hat recht. Sorgen Sie für Aufklärung. Machen Sie endlich klare Ansagen und distanzieren Sie sich von diesen Gruppen!
So berichtet die Hamburger Morgenpost (Mopo) über die schlagenden Verbindungen des Noch-Innensenators und Möchte-Gern-Bürgermeisters Ahlhaus von der CDU.
27. Juli 2010 um 15:19
Sehr geehrter Herr Neumann,
gerade habe ich einen NDR-Bericht zum “Skandal” um den Bürgermeister in spe Ahlhaus mit Äußerungen von Ihnen gesehen, die an Oberflächlichkeit und Unwissenheit nicht zu überbieten sind. Sicher, in einem 30 Sekunden Statement müssen Sie als Politiker plakativ rüberkommen, so daß auch der Dümmste Ihre Aussage versteht.
Von einem studierten Politologen dürfte man jedoch erwarten, dass er zumindest auf seiner Internetseite das Bild der verbindungsstudentischen Bewegung in neuerer und alter Zeit etwas differenzierter darstellt als Sie es in dem Interview getan haben, so dachte ich zumindest, jedoch weit gefehlt..
Selbst wenn Sie in ihrer Studentenzeit niemals mit der breit gefächerten und von unterschiedlichen Traditionen geprägten Verbindungsstudentenwelt in Berührung gekommen sind, dürfte Ihnen der Unvereinbarkeitsantrag zur Mitgliedschaft von Verbindungsstudenten in der SPD bekannt sein, der, so meine ich mich zu erinnern, auf einem jüngeren SPD-Parteitag als Arbeitsmaterial beschieden worden ist. Selbst darin wurden klare Unterscheidungen zwischen den verschiedenen Verbindungsrichtungen getroffen. In meinem Bekanntenkreis, zu dem auch eine Handvoll Verbindungsstudenten gehört die sich auch in der SPD engagieren, hat dieser Antrag übrigens zu interessanten Diskussionen über das Weltbild der SPD geführt.
Um Mißverständnisse vorzubeugen – im Bereich der Burschenschaften gibt es klare rechtsextreme Bewegungen, die es anzuprangern gilt, die Turnerschaften gehören in ihrer Mehrheit sicherlich nicht dazu.
Um noch eines klar zu stellen, ich bin nicht Mitglied einer Turner- oder Burschenschaft, mich ärgert und verwundert lediglich, auf welch bedenklichem Niveau Sie Ihre Öffentlichkeitsarbeit betreiben.
Als gebürtiger Hamburger, gleicher Jahrgang wie Sie, der SPD jahrelang wegen Persönlichkeiten wie Helmut Schmidt nahestehend, empfinde ich Ihre Äußerungen zu dieser Thematik als unwürdig.
Mit freundlichem Gruß
J. Niederoth
28. Juli 2010 um 09:32
Moin Herr Niederroth,
vielen Dank für Ihre Mail. Ich denke, Her Ahlhaus hat doch nun die Gelegenheit, all diese Dinge zu erklären. Unabhängig von Listen der SPD, bin ich im übrigen der Auffassung, dass schlagende Verbindungen nicht das richtige Umfeld sind, aus dem ein Hamburger Bürgermeister oder Innensenator entstammen sollte. Dessen ungeachtet ist die historisch-emanzipatorische Leistung der Burschenschaften im Kampf gegen Napoleon und für einen deutschen Nationalstaat unbenommen. Ich denke nur, dass nicht wenige dieser Verbindungen weder die gesellschaftlichen noch die demokratischen Entwicklungen nach Ende des 1. Weltkrieges nachvollzogen haben. Schade eigentlich. Aber das ist ein “weites Feld”, um mit Vater Briest zu sprechen.
Die Tatsache jedoch, dass Herr Ahlhaus bisher nicht die Traute hat, sich zu diesem Sachverhalt offen, klar und unmißverständlich zu äußern, ist kein Ausweis für Führungsstärke oder gar “Steherfähigkeit”, aber auch dass müssen die Grünen hier in Hamburg entscheiden. Und irgendwann die Wählerinnen und Wähler.
Ihnen eine gute Woche.
Ihr Michael Neumann.