Defizite bei Jungen
Die zentralen Aussagen der so genannten Kess 8 Studie bestätigen meine Einschätzungen und Erfahrungen. Gleichzeitig ist die Entscheidung der Schulbehörde, am Bewertungssystem für Leistungen in der Schule bis auf weiteres keine Veränderungen vorzunehmen richtig.
Ich habe die in der Studie kritisierten Empfehlungen der Grundschulen für weiterführende Schulen immer skeptisch gesehen. Viele Empfehlungen treffen nicht zu. Das war der Grund dafür, dass wir uns in den parteiübergreifenden Gesprächen zur Schulpolitik so vehement und am Ende erfolgreich für den Erhalt des Elternwahlrechts ausgesprochen haben.
Auch die Kernaussage der Studie – Jungen sind die großen Verlierer des Schulsystems – kann eigentlich niemanden überraschen. Denn diese Entwicklung zeichnet sich seit längerem ab: Mehr Mädchen als Jungen machen das Abitur, mehr Jungen als Mädchen haben massive Schulprobleme. Politik braucht jetzt den Mut zu sagen, dass für Jungen in der Schule mehr getan werden muss.
Ich sehe vier mögliche Ursachen: Jungen lesen zu wenig, spielen dafür zu oft am Computer, sind beim Lernen weniger diszipliniert und suchen oft eigene Lernwege, für die in vielen Unterrichtsmodellen der Spielraum fehlt. Auf diese Entwicklung ist bislang nicht reagiert worden. Nötig sind Maßnahmen, um die Lern-Disziplin und Lese-Kompetenz zu vergrößern, das Freizeitverhalten von Jungen zu verändern. Möglicher Weise muss auch der Unterricht mehr Spielräume bieten, um eigene Lösungswege auszuprobieren. Es gibt keine Pauschalrezepte – aber es ist im Sinne der Kinder und Jugendlichen, künftig mehr Freizeit mit einem Buch in der Hand zu verbringen, als vor dem Game-Boy. Weiterlesen →



