Ich werfe denn CDU-geführten Senaten einen unfairen Umgang mit den Absolventen des doppelten Abiturjahrgangs vor. Der Umgang mit diesen jungen Leuten zeigt, warum Schüler und Eltern – mit Recht! – Schulreformen misstrauisch gegenüberstehen. Schon im Jahr 2002 hätten rund 20.000 Schüler und 40.000 Eltern gewusst, dass im Sommer 2010 über 13.000 Abiturienten – 5000 mehr die Schule verlassen. Nur die Hamburger Schulsenatoren wussten das scheinbar nicht. Denn sie taten acht Jahre lang nichts. Und das ist der eigentliche Skandal.

Der Senat hat die Schülerinnen und Schüler zu Versuchskaninchen für einen Turbo-Weg zum Abitur gemacht. 34 Wochenstunden ab Klasse 7, dazu ein paar Stunden AGs, plus Schulweg und Hausaufgaben – Volljährige Auszubildende müssen nicht mehr arbeiten als junge Leute vor dem Turbo-Abi.

Der Senat hat über Jahre hinweg versäumt, Konsequenzen aus dem zu erwartenden Andrang auf Studien- und Ausbildungsplätze zu ziehen. 2004 gab es in Hamburg für Studienanfänger 10.928 Studienplätze, 2009 sollten es 11.247 sein – gerade einmal 319 mehr. Dabei stieg die Zahl der Abiturienten im selben Zeitraum um rund 1400 Abiturienten. Für mehr als 5000 zusätzliche Abiturienten gibt es unter dem Strich nichts. Konkretester Schritt ist in dieser Sache die Empfehlung an Eltern gewesen, ihre Kinder “in Thüringen und Baden-Württemberg” studieren zu lassen.

Das Versprechen, 1130 zusätzliche Ausbildungsplätze zu schaffen, ist bescheiden: Weit über 5000 zusätzliche Abiturienten, 1130 versprochene Ausbildungsplätze – man hat bei diesen Rechenkunststücken den Eindruck, dass auch einige Planer der Schulbehörde zu kurz in der Schule waren. Schlimmer als den Absolventen des doppelten Abiturjahrgangs kommt es vermutlich für Hamburgs Haupt- und Realschüler. Sie werden nämlich jetzt auf eine Konkurrenz bei den Ausbildungsplätzen treffen, der sie kaum gewachsen sind. Sie sind diejenigen, die jetzt in Warteschleifen oder Arbeitslosigkeit um ihre Zukunft bangen müssen. – Wer wissen will, warum Eltern und Schüler sich beim Wort “Schulreform” ängstlich abwenden, der muss sich die Geschichte des doppelten Abi-Jahrgangs ansehen.

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