Es ist bezeichnend, dass der Senat dieses Thema in der bisherigen Bilanzierung von zwei Jahren Schwarz-Grün in Hamburg ausklammert. Es verstärkt sich der Eindruck, dass die von der Regierungskoalition und insbesondere von Wissenschaftssenatorin Herlind Gundelach (CDU) betriebene Verlagerung der Universität nicht bezahlbar und für die Universität nachteilig ist.

Zuletzt hat es in der Sachverständigenanhörung der Bürgerschaft Einigkeit in der Einschätzung gegeben, dass eine Komplettverlagerung rund vier Milliarden Euro kosten würde. Sanierung und Ergänzung von Gebäuden am jetzigen Universitätsstandort wären demgegenüber mit rund 650 Millionen Euro zu veranschlagen. Sämtliche Sachverständigen haben sich gegen die Idee einer kompletten Verlagerung der Universität auf den Kleinen Grasbrook ausgesprochen.

Ich erinnere zudem an die Antwort des Senats auf eine aktuelle Schriftliche Kleine Anfrage. Daraus ergibt sich, dass sogar noch mehr Geld bereits in die Sanierung der heutigen Universitätsgebäude floss, als bisher vom Senat eingeräumt worden ist.

Damit gerät eine der Grundannahmen für die Verlagerungsdiskussion, noch stärker als bisher ins Wanken: dass nämlich 70 Prozent der heutigen Universitätsgebäude marode und sanierungsbedürftig seien. Seit dem Jahr 2000 sind allein für die Fakultät für Mathematik, Informatik und Naturwissenschaften (MIN-Fakultät), die vermutlich von einer Teilverlagerung betroffen wäre, mehr als 220 Millionen Euro in Sanierungs- oder Neubaumaßnahmen ausgegeben worden. Der Senat hat im Sommer 2008 noch von 152 Millionen Euro gesprochen, die für Sanierungs- und Neubaumaßnahmen in der gesamten Universität aufgewendet worden sind.

Hinzu kommen rund 35 Mio. Euro, die in der nächsten Zeit, unabhängig von der Standortentscheidung für die Universität, für dringliche Sanierungsmaßnahmen alleine an der MIN-Fakultät aufgewendet werden müssen.

Darüber hinaus hatte der ehemalige Uni-Präsident Prof. Dr. Peter Fischer-Appelt in der Sachverständigenanhörung davor gewarnt, sich ausschließlich auf die bauliche Situation der Universität Hamburg zu fokussieren und dabei die Fragen der inhaltlichen Ausrichtung der Hochschule zu vernachlässigen. Bemerkenswert ist, dass diese Einschätzung indirekt und vermutlich auch ungewollt vom Senat in der Antwort auf eine Anfrage meiner Fraktion unterstrichen wird. So antwortet der Senat auf die Frage, welche Folgen hinsichtlich Lehre, Forschung und Einwerbung von Drittmitteln eine verzögerte Umsetzung des Neubaus für das Exzellenzcluster Klimaforschung hätte, wie folgt: „Die Reputation des Exzellenzclusters CliSAP hängt in erster Linie von der wissenschaftlichen Qualität der Forschung ab und nicht davon, ob diese in gemieteten oder neu erbauten Räumlichkeiten stattfindet“.

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