Die Vorlage der Studie über Obdachlosigkeit in Hamburg ist eine Grundlage für eine systematische Befassung mit dem Thema Obdachlosigkeit. Es liegen jetzt fundierte Erkenntnisse über das Thema Obdachlosigkeit in Hamburg vor. Wir haben jetzt die Chance, noch vor dem Einbruch der kalten Jahreszeit Verbesserungen für den Menschen zu erreichen, die auf der Straße leben.

Ich warne gleichzeitig vor einer weiteren Verfestigung der Obdachlosigkeit in Hamburg: Die Zunahme bei der Dauer von Obdachlosigkeit ist ein Alarmsignal und weist auf eine Verstetigung der Armutslage in Hamburg hin.

Ich mahne gleichzeitig konkrete und schnell wirksame Schritte an, um die Situation obdachloser Menschen zu verbessern. So ist zum Beispiel mehr Wohnraum für Obdachlose nötig. Wenn die Fachstellen Wohnraum anbieten können, wird sich ihre Effektivität verbessern. Derzeit nehmen nur rund 20 Prozent der befragten Obdachlosen die Angebote der Fachstellen an.

Das tatsächliche Ausmaß der Obdachlosigkeit in Hamburg ist größer, als die jetzt vorgelegten Zahlen zeigen. Besonders Frauen und Jugendliche sind von verdeckter Wohnungslosigkeit betroffen. Gleichzeitig gibt es vermehrt Langzeitobdachlose, die die Angebote nicht mehr wahrnehmen. Die durchschnittliche Obdachlosigkeits-Dauer ist auf fast fünf Jahre gestiegen – gegenüber einer Zeit von dreieinhalb Jahren im Jahr 1996. Bei diesen Menschen gibt es verstärkt Notlagen, bei denen das herkömmliche Hilfesystem nicht mehr greift. Die Bekämpfung von Langzeit-Obdachlosigkeit muss zukünftig ein besonderer Schwerpunkt sein.

Eine weitere Brisanz liegt im hohen Grad der Verschuldung Obdachloser: 61 Prozent sind – so die Studie – verschuldet. Gleichzeitig sind rund ein Drittel aller Obdachlosen nicht krankenversichert. Besonders mit Blick auf die Verschuldung gibt es Nachholbedarf. Nur rund sechs Prozent der Betroffenen nehmen die Schuldnerberatung in Anspruch. Das zeigt, dass verstärkt auf dieses Angebot hingewiesen werden muss.

Als besonderes Problem sind nicht-deutscher Obdachlose im Regelsystem. Wir brauchen auch Zugang zu den nicht-deutschen Obdachlosen. Wir brauchen anonyme Beratungsstellen und insbesondere für diese Menschen vermehrt anonyme Krankenversorgung – über die Angebote des Kranken- und Zahnmobils sowie über die Krankenstube hinaus.

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